Maibaumumschneiden

Seit unzähligen Jahren wird das Maibaumsetzen gepflogen. Brauch war es, den Baum, der vorher heimlich ausgesucht wurde, aus einem Wald zu holen, meist ohne Wissen des Besitzers. Junge Burschen oder Vereine stellten den Baum in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai entweder als Ehrbezeugung vor dem Haus einer Persönlichkeit oder auch dem eines Freundes auf. So wechselten die Aufstellplätze von Jahr zu Jahr. Hat der "neue" Besitzer des Maibaumes am Morgen diesen entdeckt, musste er die "Setzer" zu einem kräftigen Umtrunk und einer Jause einladen. Das hieß aber noch lange nicht, dass ihm dieser Baum jetzt gehörte, er konnte wieder gestohlen werden. Dafür waren (und sind) traditionell festgelegte Zeiten genauso einzuhalten: Wenn er nicht bewacht wird, darf er, entweder an den erst drei Tagen nach dem Aufstellen oder in den letzten drei Tagen vor dem Umschneiden gestohlen werden. Als Zeichen der lausbübischen Tat stand er am nächsten Morgen vor dem Haus des Anführers der schelmische "Diebe".

 

Der Stoderer Maibaum ist immer sehr hoch (ca. 30 Meter) und schön. Von den Vereinsmitgliedern oder deren Frauen werden drei verschieden große Reisigkränze gebunden und mit bunten Papierbändern geschmückt. Als Baum verwendet man eine Fichte. Es ist eine Besonderheit im Stodertal, dass man den Wipfel von Lärchen nimmt (bleibt länger grün). Mit einem Fest für Einheimische und Urlauber wird im Sommer der Maibaum umgeschnitten. Als Höhepunkt dieses Festes versuchen Burschen in Lederhosen den glatten Stamm hinaufzuklettern, um, angefeuert von den Zuschauern, einen Reisigkranz zu berühren. Anschließend wird der Baum umgeschnitten - "g'worfen", dann verlost oder versteigert. Der Erlös wird einem wohltätigen Zweck zugeführt.

 

Fotos: Silke Antensteiner

 

 

 

Hl. Drei Könige

Die Nacht vom 5. auf den 6. Jänner gilt als die letzte der vier Rauhnächte. Es ist die zweite "foaste" Rauhnacht, denn sie fällt wie Silvester nicht mehr in die "dürre" Fastenzeit. Um Unheil abzuwehren, wird auch an diesem Abend geräuchert.

Zwischen Weihnachten und Dreikönige liegen die "achtbaren" d.h. ehrbaren Tage. Am 24. Dezember wird "die Acht einig'schossen" und am 6. Jänner wieder "aussig'schossen".

 

In  Vorderstoder gehen Kinder und Mitarbeiter der Pfarre Sternsingen. Sie ziehen am Dreikönigstag feierlich in die Kirche ein und singen auch während des Hochamtes folgendes Lied:

 

Es kam drei heilige Weisen,

sie kamen vom Morgenland fern;

sie waren schon lange auf Reisen

und sie folgten getreu dem Stern.

Sie zogen viele Wege und Straßen,

bis Jerusalems Mauern sie sah'n;

sie freuten sich über die Massen,

nun endlich dem Ziel zu nah'n.

In Bethlehems trautem Gefilde,

da gingen ins Haus sie hinein

und fanden das Kindlein, das milde,

mit Maria, der Mutter rein.

Sie beugten das Knie vor dem Kinde,

das Freude und Trost ihnen war,

ihm brachten sie nun auch geschwinde

Gold, Weihrauch und Myrrhe dar.

Sie zogen auf heimlichen Wegen,

dass Herodes sie nimmer mehr fand

und kehrten mit göttlichem Segen

zurück in das Morgenland.

 

Gebet der Sternsinger in Vorderstoder:

Dass Enk da Herrgott vor Gefahr,

vor Unglück und vor Not bewahr,

dass über Wies'n, Stall und Feld

a Seg'n ist und Glück mi'n Geld,

das wünsch'n Enk im Neuen Jahr:

Kaspar, Melchior und Balthasar!

 

Nach diesem Tag ist an jeder Haus- oder Wohnungstür zu lesen:

C+M+B

Christus mansionem benedicat = Christus segne dieses Haus

Der Volksmund übersetzt es mit: Caspar-Melchior-Balthasar

 

 

Silke Antensteiner

Advent

Die stille Zeit!

Den späten Herbst und den Beginn des Winters kann man die "Stille Zeit" in unserem Dörflein bezeichnen. Auf den abgeernteten Feldern gibt es nichts mehr zu tun, das Obst wurde auch schon eingebracht und die Waldstreu (Farne) wurde noch bei günstigen sonnigen Tagen abgeerntet und in den Stadeln gelagert. Durch das Sterben in der Natur wird auch der Mensch besinnlich und er gedenkt daher seiner verstorbenen Angehörigen. In den Allerheiligen- und Allerseelentagen wird zur Kirche gegangen und der geschmückte Friedhof rund um die Kirche besucht. In feierlicher Prozession unter Vorantritt der Musikkapelle segnet der Ortspfarrer die Gräber der Verstorbenen bei dem Rundgang durch die Friedhofsanlage. Abschließend wird beim Kriegerdenkmal der Gefallenen der beiden Weltkriege ganz besonders gedacht. Der nachfolgende 3. November wurde schon langjährig als Viehkirta festgelegt und bringt nochmals ein Aufleben der Geschäftigkeit der Bewohner unseres Dorfes. Marktfiranten kommen und beleben das Ortsbild und des Abends gibt es einen Kirta-Tanz, wo sich die Jugend des geselligen Beisammenseins wiederum erfreuen kann.

 

Nun ist jederzeit mit Schnee zu rechnen. Am 25. November ist der Kathreintag und an diesem Tag wird der letzte Tanz des Jahres veranstaltet, nach dem alten Spruch: "Kathrein, stellt den Tanz ein". Nachfolgend kommt die Adventzeit, die Zeit der Besinnung und des Nachdenkens. Nur der Nikolo-Tag, der 6. Dezember bringt wieder etwas Abwechslung, denn der Brauch des "Niglo-Gehens" wird immer noch eingehalten und die als Beschöfe, Krampusse, Habergeissen und Niglo-Frauen maskierten Gruppen besuchen die Kinder, sie wollen dabei die Guten belohnen und die Bösen müssen Strafe erleiden. Wenn die Rute nicht übertrieben gehandhabt wird, ist es ein schöner Brauch, der dazu beitragen soll, den Willen der Kinder zum Guten zu stärken. In der Vorweihnachtszeit werden die Adventskränze in den Stuben ober dem Tisch befestigt und die vier Kerzen sollen bekunden, dass die Weihnachtszeit immer näher heranrückt. Beginnend vom ersten Adventsonntag wird jede Woche eine Kerze angezündet, sodass am letzten Adventsonntag alle 4 Kerzen den Wohnraum erleuchten. Die Weihnachtszeit ist dann angebrochen und damit die Wintersaison und die Stille der Zeit wieder hinübergeführt in das Getriebe des eintretenden Geschäftes im Fremdenverkehr, der sich bei guter Schneelage besonders gut auswirken wird.

 

 

Gde. Vorderstoder

Der "Kirta" in Vorderstoder!

Schon von altersher war die Bewohnerschaft von Vorderstoder wirtschaftlich auf die Viehzucht ausgerichtet, was ja durch die Höhenlage und den bergigen Charakter bestimmt wird. Im ausgehenden 19. Jahrhundert besaßen die größeren Bauern oft bis 70 Stück Vieh. Die Versorgung dieser großen Stückzahl war im Sommer und Herbst leichter möglich, da trieb man das Vieh in das Reut auf die Alm und wurde dabei jede freie Waldfläche genutzt. Im Spätherbst oder besser gesagt vor dem Winter musste aber die überzählige Stückzahl verkauft werden. Sie mussten auf den nächstgelegenen Markt nach Windischgarsten gebracht werden und dazu oft stundenweit getrieben werden. Um diesen Übelstand abzustellen, wurde von der Gemeindevertretung im vorigen Jahrhundert beim Landwirtschaftsministerium um einen eigenen Viehmarkt angesucht. Es wurde dazu der 3. November bestimmt und im Jahr 1883 wurde in Vorderstoder der 1. Viehmarkt abgehalten. Der Jahreszeitpunkt war überaus günstig, das Vieh war von Alm und Reut schon im heimatlichen Stall und von der Weide her noch in guter Mast. Es entwickelte sich daher dieser Markt im Laufe der Jahre zu einem Großauftrieb. (1887 Auftrieb 384 Rinder). Auch von der nächsten Umgebung: aus Hinterstoder, St. Pankraz, Windischgarsten, Pichl und sogar Spital am Pyhrn wurde das Vieh zum Markt nach Vorderstoder getrieben, weil die Bauern wussten, dass nach Vorderstoder zahlungskräftige Händler kommen und dadurch vielleicht ein besserer Preis erzielt werden konnte. Zugleich mit den Viehhändlern kamen auch die Marktstandler, es gab manchmals über 50 solcher Krämer, die ihre oft neuesten Waren marktschreierisch anboten.

 

Dies aber nicht umsonst, denn die Bauern verkauften ihr Vieh, sie hatten dadurch auch Geld, zahlten damit auch die Dienstboten und konnten dadurch auch von diesen eingekauft werden. So wurde der Kirta zu einer der maßgebensten und größten Veranstaltungen in Vorderstoder, der die ganze Wirtschaft belebte. Das dabei auch die Wirte nicht zu kurz kamen, ist selbstverständlich, denn nach einem guten Abschluss wurde auch gegessen und auch getrunken. Abends gab es dann den Kirtatanz, bei einem der Ortsgasthöfe Steiner oder Stocker. Dabei kam es manchmal zu argen Raufereien zwischen den ledigen Burschen wegen mancher "Schönen" von dem weiblichen Geschlecht. Messer durften aber nicht gezogen werden, trotzdem gab es aber oft blutige Schrammen und Beulen. Die letzte größere Rauferei war im Jahre 1932 beim Steinerwirt, wo Burschen vom Garstnertal ihren Mut mit den Stöderer maßen. So ward eben der Kirta für die ganze Bewohnerschaft ein großes Ereignis und man sah Menschen aus der weitesten Umgebung. Unterbrochen wurde die periodische Reihenfolge schon beim ersten Weltkrieg und nur ganz langsam hat sich der Kirta in den zwanziger Jahren wieder eingelebt, bis es dann anfangs der 30iger Jahre zu einer gewissen Blüte der alten Tradition kam. Es wurden gar manchmal über 300 Stück Vieh aufgetrieben. Der zweite Weltkrieg brachte durch die gesamte Bewirtschaftung eine Beendigung des Autriebes von Vieh und dadurch auch die Abhaltung eines Viehmarktes. Dies hielt auch nach dem Jahre 1945 noch einige Zeit an und inzwischen wurde dann der Viehtransport durch Lastkraftwagen eingeführt und wurde fast der gesamte Ankauf von Vieh durch die Fa. Moser in Windischgarsten übernommen, sodass ein so massenhafter Gesamtauftrieb gar nicht mehr zustande kam. Heute erinnern am 3. November jeden Jahres nur einige "Standerln" auf den vor Jahren noch so markanten "Kirta" in Vorderstoder.